Foto: Datingjungle / unsplash.com
Einsame Schönheit

Bled, die Wocheiner Bahn und die Julischen Alpen

Text & Fotos: Adrian Dinser
Illustration: Karina Dinser-Nennstiel
An der wunderbaren Zugstrecke von Frankfurt nach Zagreb liegt dicht neben den Julischen Alpen der Kurort Bled. Nach dem Ausstieg aus dem Eurocity in Jesenice ist Bled nur noch einen Katzensprung entfernt: ein Ort wie aus einem alpenländischen Bilderbuch, und zudem bequem erreichbar. Wie mein Freund, der Unternehmensberater, und ich nach Slowenien reisten, um zu gucken, wie es dort so ist.
Pletna Holzgondel
Die Tradition der Holzgondeln, die Pletna heißen, geht auf das 16. Jahrhundert zurück und wird hinsichtlich Herstellung und Betrieb in von wenigen einheimischen Familien gepflegt, die schon von jeher damit betraut sind.

Uns war im Frühjahr nach viel frischer Luft, nach Wandern und Orte zu ent­­decken, die wir bisher höchstens vom hören kannten. Als wir durch die Julischen Alpen, die sich Italien und Slowenien teilen, hinunter gondeln wissen wir, das wir eine einmalige Gegend gefunden haben. Lichter besiedelt und größere Waldflächen verglichen mit anderen Alpen-Gebieten sowie die schroffen Berge machen aus den Julischen Alpen ein herausragendes Reiseziel für Bergsportler sowie für Romantiker.

Wir nehmen Quartier in Bled, einem alten Luftkurort, das wegen seines Klimas und seiner einzigartigen Lage weit über Europa hinaus bekannt ist. Die amerikanischen Geschäfts­­partner meines Freundes waren schon hier und wussten alle von Bled zu schwärmen, als er erwähnte, nach Slowenien zu fahren. Der Ort an einem kristallklaren Gletschersee gelegen, einer Insel mit einer Barockkirche, sowie dem markanten Felsen auf dem die Bleder Burg gebaut wurde, sie gilt als die älteste Burg Sloweniens, könnte sich kein romantischer Maler besser ausdenken – je nach Lichtverhältnissen verdient der Anblick gar die Bezeichnung „kitschig“.

Bled, Slowenien
Bled, Slowenien
Bled, Slowenien
… und der alleine ist schon den steilen Aufstieg wert. Auf der Burg findet man jedoch noch ein geschichtliches Museum, das eine Dauerausstellung des slowenischen Nationalmuseums beherbergt sowie ein Restaurant.
Der Seerundweg ist ohne Burg nur unvollständig. Der Blick über den lauschige Innenhof der Bleder Burg hinweg fällt immer wieder auf den See…

Wir sind jedenfalls hingerissen und freuen uns über unser Glück, diesen Ort gefunden zu haben. Der See lässt sich innerhalb eines halben Tages gemütlich flanierend umrunden. Auf dem Rückweg entschieden wir uns – der Abwechslung-halber – uns mit den traditionellen Holzbooten fahren zu lassen. Die hier so bekannte Cremschnitte machte uns doch ein wenig träge…
Liebe Leserin, werter Leser, dies mag nach Heinz Erhardt Idyll klingen, ist es aber nur bedingt. Letztlich sind Bled und die Julischen Alpen viel mehr. Hier liegt ein zeitloser wie auch vielseitiger Reiseschatz, an dem vermutlich nahezu jeder seine Freude findet.

Ein Paradies zum einsamen Wandern – sowohl für Tages – als auch mehr Tagestouren – stellt der Triglav-Nationalpark (ca. eine halbe Stunde entfernt und hier wäre es zugegebenermaßen besser mit dem Auto unterwegs zu sein) dar. Übernachtungs- wie Einkehrmöglichkeiten, gibt es ausreichend. Wir bereuten, dass wir nicht mehr Zeit hier oben in den Bergen einplanten um in einer der Hütten zu übernachten. Die Hüttchen werden mit einfacher Ausstattung zur alleinigen Nutzung vermietet. Die Soca, deren Wasser smaragdgrün, lädt auch Anfänger zum Kayakfahren ein.

Mein Freund neckt mich und wünscht sich eine Seilbahn und größere Busparkplätze – doch ist genau die Abwesenheit dieser das wunderbare an dieser Gegend.

Bleder Cremeschnitte
Die Bleder Cremeschnitte ist eine absolute Spezialität des Orts. Laut dem hiesigen Tourismus-Büros wurden davon schon 15 Millionen Stück zubereitet. Über die verzehrte Anzahl der Cremeschnitten, die davon auf unsere beiden Reisenden entfallen, schweigen sie.
Ein Ort mit Geschichte

Der Kurort Bled

Bleds moderne Geschichte als Luftkurort begann 1858, als der Schweizer Arnold Rikli eine Naturheil-Klinik in Bled errichtete. Diese zog Gäste aus ganz Europa an. Ab dieser Zeit etwa entstanden ebenfalls zahlreiche Villen um den Bleder See, die unter anderem Industrielle als Feriendomizil bewohnten. Der Kurpark und zugehöriges Kurhaus entstanden um 1891.

Kurort Bled - historische Postkarten

Auch schon zu Zeiten der Habsburger wurde Veldes (der nicht mehr gebräuliche deutsche Name) als Kurort, aufgrund seiner Quellen, anerkannt. Mit dem Ende des Habsburger Reichs ging Bled schließlich ins Königreich Jugoslawien über, deren Königsfamilie 1920 Bled als Sitz ihrer Sommerresidenz wählte.

Tipps für Ihre Reise

Sehens- & Wissenswertes

Der oberste See im Tal der sieben Seen – wir entschieden uns hier wetterbedingt umzukehren und nicht den Rundweg, der weiter durchs Hochgebirge führte, komplett zu gehen.
Auf dem Weg liegen zahlreiche Hütten, sie sich buchen lassen – hier die der Alm Planina Ovcarija.
Einen ganz anderen Charakter zeigen die Berge rund um den Vogel. Beim Aufstieg und Abstieg waren wir – trotz relativ stabilen Wetters – ganz alleine.
Nur der Nebel verhüllte uns zeitweise den Blick auf den Gipfel. Hier mein Freund kurz vor dem Gipfel.
Unterwegs in den Julischen Alpen
Unterwegs

Rund um die Julischen Alpen

Huldigt man dem Outdoor-Sport, so ist es in einigen Fällen ratsam auf ein Auto zurückzugreifen. Dennoch sind die Julischen Alpen auch mit dem Zug ein äußerst attraktives Reiseziel. Die Hauptstadt Ljubljana ist lediglich eine anderthalb-stündige Zugfahrt entfernt. Zagreb ist von Jesenice aus in guten drei Stunden erreichbar. So lässt sich ein Zwischenstopp in Bled beziehungsweise in den Julischen Alpen mühelos in größere Balkan­rundreisen einbinden. Von Zagreb aus sind sowohl die Strecke nach Belgrad als auch nach Split sehr empfehlenswert.

Soca-Tal Slowenien
Das Soca-Tal: smaragdgrünes Wasser, sanfte Flussströmungen und eine atemberaubende Kulisse.

Die Julischen Alpen sind auch mit dem Zug ein attraktives Reiseziel.

Das Soca-Tal ist ein Traum. Das smaragdgrüne Wasser, sanfte Flussströmungen und eine atemberaubende Kulisse sind die besten Vorraussetzungen am Kayakfahren Freude zu finden. Wir blieben jedoch an Land und unternahmen noch einen Abstecher nach Ljubljana.

Hotel Vila Bled
Foto: Mirko Kunšič
Übernachten in Bled

Hotel Vila Bled

Ein Schmankerl zum Schluss: für den Geschichtlich interessierten Nostalgie-Reisenden ist dieses Hotel ein Höhepunkt.
Das Hotel Vila Bled war die einstige Sommerresidenz und das Gästehaus von Josip Broz – besser bekannt als Tito. Die Liste der Staatsgäste und vormaligen Staatslenker, die hier nächtigten ist lang. Unter ihnen der äthiopischen Kaiser Haile Selassie, der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, die indischen Premierminister Pandith Nehru und Tochter Indira Gandhi und etliche weitere ehrbare als auch weniger rühmliche Staatsmänner, u.a. wie der sambische Präsident Kenneth Kaunda, „der Schlächter von Zentralafrika“ Jean-Bédel Bokassa, sowie der nordkoreanische Diktator Kim Il Sung.
Mittlerweile ist das Hotel im Besitz des slowenischen Staats. Die Idee des vormaligen Hotelbetreibers das Treue-Programm für Stammgäste mit „Dictator‘s Club“ zu benennen, halten wir für ein Gerücht.

Über die Auffahrt schlendernd stellen wir uns vor, wie die Staatsmänner hier vorfuhren – auch Helmut Kohl war hier seit die Villa ein Hotel ist. Noch zu den Hochzeiten des Sozialismus wurde Walter Ulbricht 1966 persönlich von Tito hier empfangen.
Der Blick aus einem der Zimmer – weiter links auf der anderen Seeseite und nicht im Bild befindet sich das Gästehaus des slowenischen Staats, die Villa Zlatorog. Kleiner und im alpenländischen Stil, jedoch ähnlich spektakulär gelegen.
Zum Hotel gehört zudem die Orangerie in der Tito exotischen Pflanze sammelte, die er meist von seinen Gäste geschenkt bekam.
Das Café Belvedere zu dem man über ein imposantes Viadukt gelangt ist ebenso wie das Hotel stilecht erhalten.
Wir genossen an den Tagen unseres Aufenthalts ein frühes Bad im See - das Hotel hat einen eigenen Zugang, der an die besten Zeiten der Grandhotels erinnert - bevor wir auf der Hotelterrasse frühstückten. | Foto: Hotel Vila Bled
Im großen Saal des Hotels sind heute noch die Fresken zu sehen, die vom jugoslawischen Partisanenkrieg berichten. Tito soll in diesem Saal auf großer Leinwand am liebsten John Wayne-Filme geschaut haben.
Wocheiner Bahn Slowenien
Bahnhof Most na Soči, Slowenien
Der Bahnhof Most na Soči: Hier die dieselbetriebene Variante der Fortbewegung. Gelegentlich verkehren auf der Strecke auch dampfbetriebene Museumszüge. Wir sahen zunächst nicht recht: Die Illustratorin stellte zwei Passagiere zweier Epochen an den Bahnsteig!
Vergnügungsfahrten

Ein Kurztrip mit der Wocheiner Bahn

Mit der Wocheiner Bahn waren wir einen vergnüglichen Nachmittag unterwegs. Führt man sich jedoch vor Augen, dass diese pittoreske Strecke von Jesenice bis Triest Anfang des 20. Jahrhunderts als das südlichste Teilstück der Verbindung Mitteleuropas ans Mittelmeer und letztlich als Handels-Anbindung hin zum Suez-Kanal errichtet wurde, so kommt einem die eigene Vergnügungsfahrt doch sehr putzig vor, und die Sehnsucht nach ernsthaften Reiseabenteuer wird unfreiwillig geweckt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgte das Kaiserreich Österreich-Ungarn den Bau einer zusätzlichen Trasse (neben der Südbahn über den Semmering) nach Triest um dem wachsenden Handelsverkehr gerecht zu werden. 1906 dann wurde die Wocheiner Bahn in Betrieb genommen. Die Strecke beansprucht nicht nur den längsten Tunnel Sloweniens, dem Wocheiner Tunnel sondern auch die größte gemauerte Eisenbahnbrücke der Welt, der Salcanobrücke bei Solkan.

Wir stiegen in Bled in die Dieselbetriebenen Regionalzug ein und sind von ein paar wenigen Pendlern und Ausflüglern umgeben. Gemächlich fahren wir entlang der Julischen Alpen und der Soca. An den vielzähligen Bahnhöfen beobachten wir mit Neugierde die wenigen Ein- und Aussteigenden. Am Zugfenster ziehen beschauliche Dörfchen, Bahnstationen, die von besseren Zeit berichten können, und die natürlichen Berghänge der Oberkrain vorbei. Leider schaffen wir es nicht bis Triest, um am gleichen Abend wieder zurück in Bled zu sein. Wir nehmen die Strecke jedoch tief in unsere Träume europäischer Zugreisen auf.

Der Passagier
Die beiden Reisenden.
Auf der Strecke verkehren Autoreisezüge mit Personenwagons - auch eine feine Art der Adria entgegen zu fahren.
Bohinjska Bistrica: Von hier ist es nicht mehr weit zum Wocheiner See und zum Nationalpark. Ein idealer Ort (so wie auch weitere) als Ausgang für Touren zu Fuß oder mit dem Rad.
Die Zugtrasse ist Teil des Wegs des Friedens, der entlang der Isonzo Front führt. An dieser Weltkriegsfont, die von den Alpen bis zur Adria reichte, ließen viele Männer in den Jahren von 1915 - 1917 ihre Leben. Noch heute erinnern Schützengräben, Kapellen und Friedhöfe an die historischen Ereignisse...
Es werden geführte Touren angeboten, bei denen u.a. die sechs Freilichtmuseen entlang des Wegs besichtigt werden können. Eine Stiftung setzt sich für die Anerkennung des Wegs als UNESCO Weltkulturerbe ein.
Am Bahnhof von Most na Soči. Er könnte auch gut als Vorlage für einen Selbstbausatz für Modelleisenbahn dienen.
Zurückgelehnt, bei offenem Fenster, bei mäßigem Tempo und angenehmen Brummen des Dieselmotors fahren wir zurück gen Bled und genießen den wunderbaren Ausblick...
Magazin

Ausgabe #01 - Sehnsucht

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Erst­ausgabe Sehnsucht, die am 23. September 2021 erscheint. Erhältlich in Bahnhofsbuch­handlungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg, im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder online.

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